Kirche, Macht und Demokratie

Theologischer Studientag 2026 – Kirche gegen Hass.

4. September 2027 | 9 bis 15 Uhr

Ab 9 Uhr ankommen bei Kaffee und Brötchen, Start: 9:30 Uhr

Gemeindehaus St. Michaelis Hamburg

Englische Planke 2, 20459 Hamburg
(gleich neben dem Michel)

Theologie. Praxis. Dialog

Für eine demokratische Kirche und eine menschenfreundliche Gesellschaft.

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Zur Anmeldung bitte den QR-Code scannen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Hier der Flyer als Download.

Das Bild zeigt ein Portrait von Kars-Robin Schulz, der freundlich in die Kamera schaut und lächelt.

Lars-Robin Schulz

Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur Wittenberg

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Das Bild zeigt ein Portrait von Kristina Herbst, die freundlich in die Kamera schaut und lächelt.

Kristina Herbst

Evangelische Akademie zu Berlin, Studienleiterin; Projektleitung „DisKursLab“

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Das Bild zeigt ein Portrait von Dr. Sönke Lorberg-Fehring, der freundlich in die Kamera schaut und lächelt.

Dr. Sönke Lohberg-Fehring

Ökumenewerk der Nordkirche, Beauftragter für Christlich-Islamischen Dialog

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Ablaufplan

Wann?Was?Wer?
09:00Ankommen
09:30EröffnungsvortragLars-Robil Schulz
10:15Diskussion
10:30Kaffeepause
10:45Vorstellung der WorkshopsReferent*innen
11:00Workshop-Arbeit
Workshops A, B, C und D
siehe unten in der Beschreibung
Referent*innen
12:45Mittagessen
13:45Sammlung aus den WorkshopsDelegierte aus
den Workshops
14:00Abschlussvortrag
„Kirche gegen den Hass“
Dr. Sönke Lorberg-Fehring
15:00Geistlicher AbschlussVorstand des VPPN

Eröffnungsvortrag

Kirche und Demokratie? – Machtkritik und Bewahrung für die Bedrohten (Lars-Robin Schulz)

Ziel des Vortrags

Der Eröffnungsvortrag soll die gemeinsame Landkarte für den Tag eröffnen. Er unterscheidet die beiden Grundrichtungen des Themas und zeigt zugleich, warum sie aufeinander angewiesen sind.

Grundrichtung 1: Demokratie nach innen

Nach innen stellt sich Demokratie nicht zuerst als Frage von Abstimmungen, sondern als Frage von Machtverteilung, Machtbegrenzung und Beteiligung. Demokratische Kultur in der Kirche heißt: Macht muss sichtbar, begründet, kontrollierbar, begrenzbar und verantwortbar sein.

Dabei stellen sich unter anderem folgende Fragen:

  • Wie verteilen sich Macht und Einfluss
    zwischen Gremien, Kirchenleitung,
    Synoden, Verwaltung, Pfarramt und
    Gemeinden?
  • Welche Macht liegt in Ordination, Amt,
    Sprache, theologischer Deutung und
    Verfahrenswissen?
  • Wie sind nicht ordinierte Hauptamtliche,
    Nebenamtliche, Ehrenamtliche und
    freiwillig Engagierte beteiligt?
  • Wo gibt es transparente Verfahren, und
    wo funktionieren informelle Machtwege?
  • Wie kann Leitung möglich bleiben, ohne
    Macht zu verschleiern?
  • Welche Werte binden kirchliche
    Leitungsämter?
  • Wann ist Offenheit für unterschiedliche
    Meinungen geboten – und wann
    braucht es klare Grenzen?

Diese Innenrichtung knüpft an die Debatte um „Kirche und Macht“ an, wie sie auch auf der EKD-Synode bearbeitet wurde. Sie lässt sich zugleich sehr konkret mit der EKHN-Handreichung für Kirchenvorstände verbinden: Demokratie wird dort als Aufgabe kirchlicher Leitung beschrieben. Leitungsgremien sollen sprachfähig werden, ihre Positionen klären, demokratische Werte im Gemeindeleben fördern und im Leitungsgremium, bei Veranstaltungen und im öffentlichen Auftreten verantwortlich handeln.

Grundrichtung 2: Demokratie nach außen

Nach außen reicht es nicht, allgemein von „Demokratie“ zu sprechen. Viele autoritäre Bewegungen berufen sich ebenfalls auf Demokratie, Mehrheit, Volk oder Wahl. Darum müsste kirchliches Reden über Demokratie präzisieren, dass es um eine liberale, rechtsstaatliche, minderheitenschützende Demokratie geht.

Dazu gehört auch die Frage, in welchem gesellschaftlichen Milieu Kirche in Deutschland steht: Eine kirchensteuerfinanzierte Kirche lebt von stabilen Institutionen, Rechtsstaatlichkeit, Steuerverwaltung, öffentlichem Vertrauen und einer sozialstaatlich gerahmten Marktwirtschaft. Sie hat also ein eigenes Interesse an verlässlichen demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnungen. Zugleich darf sie diese Ordnung nichteinfach religiös verklären, sondern muss aus ihren biblischen und theologischen Quellen heraus auch deren Schattenseiten kritisch befragen: soziale Ungleichheit, Ausschluss, Beschleunigung, Entfremdung, Misstrauen und ökologische Zerstörung.

Die EKHN-Handreichung bietet dafür eine hilfreiche theologische Grundformel: Weil jeder Mensch als Ebenbild Gottes eine unverlierbare Würde besitzt, setzt sich Kirche für Menschenrechte und eine demokratische, menschenfreundliche Gesellschaft ein. Demokratie wird so nicht bloß politisch begründet, sondern theologisch über Menschenwürde, Gottesebenbildlichkeit, Streitkultur, Beteiligung und Hoffnung erschlossen.

Theologische Tiefenschicht

Die Bibel liefert keine einfache Demokratietheorie. In ihr finden sich Wahl, Los, Rat, Älteste, Gemeindeversammlung und prophetische Machtkritik, aber auch Königtum, Herrschaftssprache, Gehorsamsbilder und theokratische Vorstellungen. Die theologische Frage lautet daher nicht schlicht: „Ist die Bibel demokratisch?“ Sondern eher:

Welche biblischen und kirchlichen Traditionen helfen, Macht zu begrenzen, Würde zu schützen, Gewissen zu bilden, Gemeinschaft zu ordnen und Herrschaft zu kritisieren?

Leitthese des Vortrags

Kirche stärkt Demokratie, wenn sie drei Dinge miteinander verbindet: machtkritische Selbstprüfung nach innen, Verteidigung liberaler Demokratie nach außen und konkrete Verfahren, in denen Vertrauen, Beteiligung und Gemeinwohl erfahrbar werden.

Workshop A: Kirche gegen den Hass / gegen Ausgrenzung (Arbeitstitel)

Referent: Dr. Sönke Lorberg-Fehring
Pluralität aushalten, Vertrauen bilden – christlich-islamischer Dialog als Demokratieübung

Dieser Workshop nimmt religiöse Pluralität als demokratische Herausforderung und Ressource auf. Der christlich-islamische Dialog ist nicht nur ein kirchliches Spezialfeld, sondern eine konkrete Praxis demokratischer Kultur: zuhören, unterscheiden, widersprechen, Vertrauen aufbauen und Zusammenleben gestalten. Mögliche Inhalte:

  • Interreligiöser Dialog als Vertrauensarbeit
  • Wie religiöse Differenz demokratisch bearbeitet werden kann
  • Umgang mit Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und religiösem
  • Extremismus
  • Kirche in pluraler Öffentlichkeit
  • Dialog ohne Naivität: Unterscheidung zwischen Gespräch, Kritik und Grenzziehung
  • Vertrauen zwischen Religionsgemeinschaften, Politik und
  • Zivilgesellschaft Offenheit für interreligiösen Dialog als demokratische Leitlinie

Mögliches Ergebnis: Die Teilnehmenden entwickeln ein Verständnis von Dialog als demokratischer Praxis: nicht als Harmonieprogramm, sondern als Verfahren, in dem Differenz, Konflikt und Kooperation bearbeitbar werden.

Workshop B: Ortsgemeinde im öffentlichen Raum (Arbeitstitel)

Referent*in: Kristina Herbst
Kirchengemeinde vor Ort – demokratische Kultur im Gemeinwesen stärken

Dieser Workshop nimmt die konkrete lokale Gemeinde als Demokratieort ernst. Er fragt nicht zuerst nach großen kirchenpolitischen Erklärungen, sondern nach der Praxis vor Ort: Gottesdienste, Kasualien, lokale Bündnisse, Gemeindefeste, Begegnungen, Konflikte, öffentliche Stellungnahmen und alltägliche Präsenz. Mögliche Inhalte:

  • Was kann eine Kirchengemeinde vor Ort gegen Verrohung und Ausgrenzung tun?
  • Wie wird eine Gemeinde als gastlicher und öffentlicher Ort wahrnehmbar?
  • Wie politisch darf oder muss lokale Gemeindearbeit sein?
  • Welche Rolle spielen Gottesdienste, Seelsorge, Feste, Gedenkformen und Bündnisse?
  • Wie bleibt Kirche gesprächsfähig, ohne sich neutral gegenüber Menschenfeindlichkeit zu machen?
  • Wie können kleine Gemeinden demokratische Kultur stärken, ohne sich zu überfordern?
  • Kirchenvorstand und Ortsgemeinde als Verantwortungsgemeinschaft

Mögliches Ergebnis: Die Teilnehmenden entwickeln niedrigschwellige, ortsgemeindliche Formate, die demokratische Kultur stärken: Gesprächsabende, öffentliche Gebete, Gedenkformate, Gemeinwesenkooperationen, gastliche Räume und klare Kommunikation.

Workshop C: Prophetisches Predigen (Arbeitstitel)

Referent: Lars-Robin Schulz
Prophetisch predigen – politisch klar, ohne parteipolitisch platt zu werden

Dieser Workshop greift das Konzept des Prophetic Preaching auf, besonders im Anschluss an Leah D. Schade. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Predigt in gefährdeten Demokratien zur Stärkung demokratischer Urteilskraft beitragen kann. Dabei geht es nicht darum, Predigt zur Parteirede zu machen. Im Gegenteil: Der Workshop fragt, wie Predigt politische Sachverhalte theologisch, biblisch und ethisch bearbeitet, ohne sich parteipolitisch vereinnahmen zu lassen. Mögliche Inhalte:

  • Herkunft und Profil von Prophetic Preaching im US-amerikanischen Kontext
  • prophetische Rede als Kritik an Unrecht, Machtmissbrauch und falschem Frieden
  • Predigt zwischen politischer Klarheit und parteipolitischer Grenzüberschreitung
  • Umgang mit polarisierten Gemeinden
  • redigt als Gewissensbildung und Stärkung demokratischer Urteilskraft
  • Arbeit an konkreten Predigtfällen: Rechtsextremismus, Migration, Armut, Antisemitismus, Rassismus, Krieg, Klima, soziale Spaltung
  • Verbindung zur EKHN-Handreichung: Menschenwürde, klare Grenzen, verantwortliche Sprache

Mögliches Ergebnis: Kriterien für Predigt, die politisch verantwortlich ist, aber nicht parteipolitisch übergriffig wird.

Workshop D: Machtlandkarten der Kirche (Arbeitstitel)

Referent*in: keine / Lars Wüstefeld
Wer entscheidet eigentlich? Macht, Amt und Beteiligung in der Kirche

Dieser Workshop nimmt die Innenrichtung des Themas auf. Er fragt nach sichtbarer und unsichtbarer Macht in kirchlichen Strukturen. Mögliche Inhalte:

  • Macht zwischen Pfarramt, Kirchengemeinderat, Kirchenkreis, Synode, Verwaltung und Kirchenleitung
  • Ordination und Deutungsmacht
  • Macht des Wissens, der Routinen und der informellen Netzwerke
  • Hauptamt, Nebenamt, Ehrenamt
  • Machtbegrenzung durch Transparenz, Rechenschaft und Beteiligung
  • geistliche Leitung und demokratische Kontrolle
  • Leitungsgremien als Orte demokratischer Kultur
  • Wertebindung kirchlicher Ämter
  • Ausschlusskriterien und Grenzziehungen in Leitungsämtern

Mögliches Ergebnis: eine Machtlandkarte kirchlicher Praxis mit Stärken, blinden Flecken und möglichen Veränderungspunkten.

Die Ergebnisse der Workshops sollen in der Weise allen Teilnehmenden zugänglich gemacht werden, dass in jeder Teilgruppe ein*e oder mehrere delegierte Person(en) bestimmt wird/werden, welche dem Gesamtplenum nach der Mittagspause kurz präsentieren, was im jeweiligen Workshop erarbeitet wurde. Alle Materialien und Informationen werden zudem von den Referent*innen zur Verfügung gestellt und können nach dem Studientag via Cloud-Link abgerufen werden.

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